Theater

Theater und KHG gehören fest zusammen!

Abseits vom Schulalltag, nachmittags, Proben und nochmals Proben, die bis weit in den späten Abend hineingehen. Regisseure und Hausmeister planen private Termine besser schon einmal aus. Die Aula ist bis auf weiteres „gesperrt"! Konflikte wegen anderer schulischer oder/und städtischer Veranstaltungen sind vorprogrammiert. Da hilft nur: Ruhe bewahren ...

Schließlich: Kein Durchblicken mehr. Plakate an jeder Tür und jeder Scheibe weisen den Weg zu den näher rückenden Aufführungen; Durchsage, dass der Vorverkauf in den großen Pausen begonnen hat; dies alles vor den vergrößerten Probenfotos; ein erster Bericht in der Tagespresse zur Generalprobe (der Tenor wiederholt sich nach dem Motto: „Die Texte saßen schon recht passabel..."). Spannung liegt in der Luft am Vormittag der Premiere, aber keiner spricht so richtig darüber. Müdigkeit? Keine Zeit dafür. Einer der Hauptdarsteller liegt mit Fieber im Bett? Cool sein ist angesagt. Es wird schon schief gehen. Erst einmal ist noch der Alltag zu schaffen im Unterricht, Arbeiten und allem, was dazu gehört. Und endlich ist es dann so weit: Mitten am Nachmittag bereits kommen die Darsteller zum letzten Schliff und zum Schminken, kommen Eltern, die letzte Hand an die Kostüme legen, kommen Eltern, die die Bewirtung in der Pause vorbereiten, und solche, die die Rosen für nachher herbeischaffen, dann ab 19 Uhr Einlass der Besucher. In Schlangen stehen sie bereits vor der Tür. Mitschülerinnen und Mitschüler, Eltern, Lehrer, Ehemalige sowohl der Schüler, Eltern, als auch der Lehrer und Pressevertreter drängen herein: Schließlich ist Theaterpremiere am KHG und das bedeutet, da geht man hin. Wohl kaum ein Platz in der Aula bleibt frei.

Einige Stunden später: Es hat wirklich geklappt, Beifall, Blumen, Erleichterung, Erschöpfung, Appetit, Lust auf ein bisschen Feiern ..., hoffentlich viel Gespräch darüber zwischen Schülern, Schülern und Lehrern, zwischen Lehrern, Eltern an den Tagen danach. Kurzes Aufatmen vor neuer Anstrengung für die noch anstehenden Aufführungen.

Als Herr Bergs mich bat, für diese Theaterzeitung einen kleinen Beitrag zu leisten, kamen sofort diese Eindrücke des gerade kurz zurückliegenden Premierentages - Millers „Hexenjagd" stand auf dem Programm - zurück. Eindrücke „von außen". Sie vermischen und überlagern sich mit jenen aus all den vergangenen Jahren und beim Aufschreiben wird mir klarer, dass sie allein schon etwas von dem zeigen, was Theaterarbeit an unserer Schule bedeutet und un-verzichtbar macht: Öffnung von Schule nach innen und außen auf selbstverständlichste Art, ein Gemeinschaftswerk. Viele, sehr viele gehören dazu: Schülerinnen und Schüler, die Lust wie Mut zum Spiel, Ausdauer und Engagement mitbringen, Schülerinnen und Schüler, die die Technik und die die Musik dazuholt, choreographische Aufgaben ziehen wieder andere an, Kunst- und Musiklehrer/innen, Eltern, die schneidern oder schminken können, gehören dazu und für hundert Kleinigkeiten selbstverständlich das Hausmeisterehepaar, und allen voran die betreuenden Lehrer dazu, bei denen alle Fäden der Regie und der Öffentlichkeitsarbeit jetzt seit Jahren zusammenlaufen.

Damit sind schon wesentliche Begründungen dafür genannt, dass Theaterarbeit in unserem Schulprogramm einen großen Stellenwert hat und zu verteidigen ist, auch wenn noch weiter an Lehrstunden gespart wird oder wenn es zur formalen Verkürzung von Schulzeit kommen sollte. Sicher, im Unterricht der verschiedensten Fächer wird viel gelernt und Unterricht ist der natürliche Mittelpunkt einer Schule. Aber wohl kaum eine Auseinandersetzung greift so in die Persönlichkeitsentwicklung ein wie das Theaterspiel und wohl kaum sonst wird so ganzheitlich gelernt wie beim Theaterspiel. Und das gilt ganz besonders dann, wenn Schüler kontinuierlich über Jahre dabei sind und ihre Erfahrungen in die nächste und sicherlich auch gewichtigere Rolle mit hinein nehmen.

Dazu hier nur einige Gedanken im Ansatz: Basis ist und bleibt Auseinandersetzung mit dem Rollentext, dem Stück und dann das Auswendiglernen. Die Worte sprechen für sich: Auseinandersetzung erzwingt das aktive wieder Zusammensetzen, das Auswendiglernen erzwingt das Wenden des Textes und ermöglicht überhaupt erst das Aus-sich-Herausgehen. Noch deutlicher formulieren die Franzosen oder Engländer dieses Lernen als Anstrengung des ganzen Menschen, sagen sie doch ganz einfach „apprendre par coeur" oder „learning by heart".

Es gehört zu unserem Alltag als Lehrer festzustellen, dass die Auseinandersetzung im Aufsatz zu wenig umfassend, dass Vokabeln, Sachverhalte nur zu ungenau, unvollständig gelernt werden, eben an der Oberfläche. Und wie häufig stellen wir fest: Im Mündlichen zu still!

Ganz anders lernt - zumindest noch kurz vorher, gerade rechtzeitig zur Premiere - der Schauspieler: Soll der Rollentext zur Sprache des leibhaftigen Menschen dort ober auf der Bühne im Rampenlicht werden, ist er vorher mit Verstand gelernt und dabei durch das Herz gegangen. Und solches Tun verändert.

Bestimmt wird man dann bald wieder etliche Passagen auch vergessen, bestimmt aber nicht das, worauf es ankommt: das Wesentliche des Stückes, das Wesentliche der Rolle mit aller Bewussheit darüber, was sie Fremdes, Gegensätzliches oder auch Identisches brachte zu einem selbst.

Als Besucherin von Theater in der Schule interessiert mich das Stück auch, aber deutlich mehr interessiert mich das Zusammenspiel von Darstellern, Musikern, Techniker, Choreographen, Bühnenbildnern und Schneidern; es interessiert mich aber immer noch am meisten das, was einzelne Schülerinnen und Schüler aus ihrer Rolle machen und wie sie so überraschend anders sein können als „gewohnt".

Da lohnt es sich dann garantiert, nicht nur in eine der Aufführungen zu gehen. Bestimmt läuft vieles beim nächsten Mal anders, werden Nuancen anders präsentiert und wirken sich Stimmungslagen der verschiedensten Mitwirkenden, partielle Unsicherheit auf das Zusammenspiel in der Gruppe aus. Dass Theaterspielen Teamfähigkeit und Kooperati-on fördert, braucht man nicht in theoretischen Artikeln nachzulesen, das ist handgreiflich sicht- und spürbar.

„Schade, es ist schon vorbei ...", hieß es demnach im Gespräch mit Darstellern, die in den normaleren Schulalltag zurückkehrten, wie schon nach so vielen früheren Inszenierungen jetzt wieder nach der „Hexenjagd". Vergessen ist bereits jetzt, was sich da alles vor den Aufführungen und hinter den Kulissen auch abgespielt hat: Ohne Krach am Anfang geht das doch fast nie ab, ab und zu fehlte es bestimmt einmal an Lust, an Zuverlässigkeit und an langem Atem, an Konzentration ... . Aber wie sich das dann immer wieder überwinden lässt, darüber schreiben jetzt besser die Insider!

Ansprechpartner für weitere Informationen: Herr Bergs, Frau Brandenburger