Suchtprävention
Die Seminare - seit 1981 Bestandteil des Schulprogramms - sind neben beispielsweise der erlebnispädagogisch orientierten Klassenfahrt in der Jahrgangsstufe 5, dem Kommunikationstraining im Politikunterricht in 6 und der Jungen-/ Mädchenförderung in 9 ein Baustein der Förderung von Ich-Stärke, Konfliktbewältigung und angemessenem Gruppenverhalten und damit eines Programms zur Vorbeugung gegen jede Art von Suchtverhalten. Schule steht diesbezüglich in der Verantwortung, zumal der Gedanke nahe liegt, dass Schule auch Auslöser für Sucht sein kann, resultierend etwa aus Leistungsanforderungen, die Angst oder Unlust provozieren, Einsamkeit in der Menge, Spannungen in der Gruppe oder aus Schwierigkeiten in der Rollenfindung in der Gruppe der Gleichaltrigen.Die Seminare sind ein Angebot an die Schüler, außerhalb der Schule in Ruhe und in freundlicher, offener Atmosphäre gemeinsam nachzudenken und zu handeln. Dies geschieht unter der Leitung von Gesprächspartnern, die wichtige Fragen stellen, Impulse und vielleicht auch Antworten geben können. Ermöglicht werden soll eine offene Auseinandersetzung mit dem Problemfeld „Suchtverhalten". Sachinformationen über Suchtmittel sind nicht Bestandteil der Seminare, im Mittelpunkt steht vielmehr der Einzelne, sein Umgehen mit sich selbst und mit anderen, seine Fähigkeit, Spannungen und Konflikte durchzustehen, in bestimmten Situationen nein zu sagen...Dabei werden Arbeitsformen eingesetzt, die sich deutlich von der Arbeitsweise in der Schule unterscheiden: Erstellen von Montagen, von kurzen Videofilmen, Rollenspiele, szenisches Spiel, Pantomime...
Das Repertoire der Fachleute, die zur Betreuung der Schüler eingesetzt werden, ist sehr umfangreich. Sie gehen nach Absprache mit den Klassenlehrern auch auf die spezifische Situation in den einzelnen Klassen ein. Die Referenten, mit denen die Schule zusammenarbeitet, sind Sozialpädagogen, die sich auf Seminare mit Schülern spezialisiert haben. Bewusst übernehmen sie allein die Leitung der Veranstaltung (die begleitenden Lehrer sind nur für den organisatorischen Rahmen zuständig und sind als Ansprechpartner vor Ort), damit die Schüler Hemmungen ablegen und offen sein können. Alles, was die Schüler mit den Referenten besprechen, bleibt geheim. Die Rückmeldung an die Lehrer über Erfolge und Erfahrungen mit der Schülergruppe bleibt immer zusammenfassend und anonym.
Die Referenten teilen die Klassen in drei Gruppen auf, um Kommunikation mit allen Schülern zu ermöglichen. Über zwei Tage wird dann thematisch gearbeitet, in Absprache mit der Gruppe über Suchtverhalten (auch nicht stofflich gebunden wie Fernseh-, Computersucht o.ä.), Klassenstrukturen, In-Gruppen, Außenseiter... Am ersten Tag laufen die Themenblöcke von 10:00 Uhr morgens bis 21:00 Uhr abends, am zweiten Tag bis zur Abreise gegen 15:00 Uhr. Die verbleibende Freizeit - insbesondere der Abend - soll von der Klasse gemeinsam geplant werden, die Gestaltung kann etwa Gespräche, Spiele oder eine gemeinsame Feier beinhalten. Die abendlichen Gespräche können die Thematik des Tages oft sinnvoll vertiefen, sodass das strikte Vorgeben einer Bettruhe nicht immer sinnvoll ist.
Die Kosten der Seminare werden aufgeteilt: Die Eltern übernehmen die Kosten für den Aufenthalt (in Jugendbildungsstätten oder Jugendherbergen), die Fahrt und auch einen Teil der Referentenkosten (insgesamt derzeit 40€ pro Schüler), den Hauptteil der Referentenkosten übernehmen der Förderverein und das Jugendamt.
Die Durchführung der Seminare ist nicht unumstritten. Als Klassenfahrt birgt auch die Präventionsfahrt Unwägbarkeiten, etwa destruktives oder provozierendes Verhalten von Schülern und die Mitnahme von alkoholischen Getränken. Dass ein Suchtpräventionsseminar dieser letzten Gefahr gegenüber besonders sensibel ist, erklärt sich von selbst. Viele Eltern fürchten, dass ihre Kinder eben durch dieses Seminar einen ersten Kontakt zu Suchtmitteln erhalten, neugierig darauf werden, von Mitschülern bedrängt werden oder dass der Umgang mit Drogen auf der Fahrt verharmlost wird. Nichts von alledem kann wirklich ausgeschlossen werden, aber in den Einzelfällen, in denen es tatsächlich vorkommt, ist das Präventionsseminar genau der richtige Ort und Zeitpunkt, um sich damit zu beschäftigen. Entsprechende Vorfälle können hier aufgegriffen und thematisiert werden, während sie sich sonst jeglichem Zugriff entziehen - und die Neugierde der Jugendlichen, der Druck, die Verharmlosung, der Kontakt mit Drogen, alles wäre auch ohne Präventionsseminar vorhanden. Die Schüler sollen lernen, Stärke zu gewinnen, zu zeigen, sich zu trauen, ihren eigenen Willen zu entwickeln, um den verantwortungsvollen Umgang mit Suchtmitteln zu erlernen.
Im Drogenausschuss wird diese Diskussion immer aufs Neue geführt - zuletzt 2005 mit dem deutlichen Ergebnis, die Seminare fortzuführen. Folge der Überlegungen der letzten Jahre sind
- verstärkte Aufklärungsarbeit bei den Eltern sowohl über den Sinn der Seminare als auch über Suchtmittel;
- die Abdeckung des Informationsbedarfs der Schüler durch Sachinformationen über Drogen im Biologieunterricht sowie auf einer Nachmittagsveranstaltung mit einem Mediziner speziell zur Wirkungsweise von Alkohol und Nikotin.
- Um die Wirkung der Seminare bei den Schülern und die Eindrücke bei den Eltern besser erfassen zu können, werden ab 2006 im Anschluss an die Seminare Fragebögen ausgegeben. So sollen Eltern und Schüler noch weiter in die Optimierung der Veranstaltungen eingebunden werden.
Ansprechpartner für weitere Informationen: Herr Knoblich, Frau Mattern